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Andacht

Auf Augenhöhe hören sie sich zu

Der Künstler Joshua Koffman wirkt mit am besseren Verständnis von Christen und Juden

Friedhelm PieperSynagoge und Kirche in Form von zwei Frauen. Die Skulptur von Joshua Koffmann steht in Philadelphia/USA.

privatFriedhelm Pieper ist Pfarrer und Referent für interreligiösen Dialog mit Schwerpunkt Judentum und Naher Osten im Zentrum Ökumene der EKHN und der EKKW.

Ich sah sie im Sommer vergangenen Jahres auf dem Campus der Saint Josephs University in Philadelphia (USA). Sie saßen in der warmen Sommersonne vor dem Tagungsgebäude einer internationalen Konferenz von Juden und Christen – und der Weg von uns Teilnehmern führte täglich an ihnen vorbei. Zwei Damen in Bronze gegossen: Sie sitzen auf Augenhöhe nebeneinander, die Köpfe leicht gesenkt, so als hören sie einander zu. Die Dame zur linken Seite hält eine Schriftrolle in ihren Händen, die zur rechten ein Buch mit einem Kreuz darauf. Die Tora-Rolle und die Bibel: Die heiligen Schriften der Juden und die Heilige Schrift der Christen.

Ich treffe den Künstler Joshua Koffman. Er wohnt und arbeitet in Philadelphia. Joshua Koffman nennt seine Skulptur »Synagoga und Ecclesia in unserer Zeit«. Er möchte mit seinem Kunstwerk den tiefgreifenden und bewegenden Veränderungen in den Beziehungen zwischen Christen und Juden in den vergangenen Jahrzehnten einen symbolischen Ausdruck verleihen. Ecclesia und Synagoga, die Kirche und die Synagoge. Jahrhundertelang stand dieser Titel für eine Reihe von Kunstwerken an europäischen Kathedralen, in denen die traditionelle christliche Judenfeindschaft zum Ausdruck kam. So auch am Südportal des Doms in Worms. Dort ist die Synagoge, die jüdische Gemeinde, als eine Frau mit verbundenen Augen dargestellt. Die Kirche lehrte, dass die jüdische Gemeinschaft blind ist, weil sie den christlichen Glauben nicht annimmt.

Der zehnte Sonntag nach Trinitatis, der Israelsonntag, wurde über Jahrhunderte von dieser Sicht bestimmt. Menschen lasen die Geschichte von der Zerstörung des jüdischen Tempels in Jerusalem und waren überzeugt, dass nach göttlichem Willen seitdem die Kirche an die Stelle des jüdischen Volkes getreten sei. Damit haben die Kirchen entscheidend zu einer tiefen Verankerung einer antijüdischen Haltung beigetragen und bei der Entstehung des verheerenden, so ungeheuer gewalttätigen Antisemitismus der Neuzeit mitgewirkt.

Es ist wirklich erstaunlich und sehr bewegend, dass es nun nach all dem Grauen der Vergangenheit in unserer Zeit zu einer tiefgreifenden Veränderung und Erneuerung in den Beziehungen zwischen Juden und Christen kommt. Es berührt sehr, dass sich inzwischen in wachsender Zahl jüdische Frauen und Männer finden, die sich mit großer Motivation in den Projekten der Verständigung zwischen Christen und Juden engagieren.

Es ist, als wollte Joshua Koffman mit seiner Bronzeskulptur in Philadelphia sagen »Auch, was in Stein gemeißelt ist, muss nicht bestehen bleiben.« Tatsächlich werden wir Zeugen einer wirklichen Erneuerung in dem Verhältnis zwischen Christen und Juden. Zum ersten Mal seit 2000 Jahren ist ein wirklich offenes Gespräch zwischen beiden Glaubensgemeinschaften möglich, so wie es Koffman in seinem Kunstwerk ausdrückt. Wir können lernen, den Reichtum unserer Schriften und unseres jeweiligen Glaubens miteinander zu teilen, unsere Unterschiede neu zu verstehen. So steht heute der Israelsonntag im neuen Kontext einer wachsenden Verständigung zwischen jüdischen und christlichen Gesprächspartnern. Inmitten der Konflikte unserer Zeit ist das ein Zeichen der Hoffnung und der Ermutigung.

Von Friedhelm Pieper

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Losung und Lehrtext für Montag, 21. August 2017
Der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Klagelieder 3,31-32
Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. 1.Petrus 5,10

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